Berg- und Naturverlag Rölke

Der Zirkelstein



Jahreszeiten im Elbsandstein

Bildband von Peter Rölke

Der Zirkelstein

Der Zirkelstein ist eines der markantesten Felsgebilde im linkselbischen Gebiet der Sächsischen Schweiz. Obwohl er mit seinen 385 m Höhe wie ein „ungeheurer Wartturm” in der Landschaft steht, ist er im Gegensatz zu anderen ähnlich freistehenden Felsen nie für Verteidigungszwecke befestigt worden. Der Name „Circkel-Stein” findet sich erstmals auf der in den Jahren 1592/93 von Matthias Oeder im Rahmen der kursächsischen Landesaufnahme gezeichneten Karte. Namensbildend war vermutlich die Form des Felsmassives. Otto von Odeleben, der in den Jahren 1823 bis 1826 als Kartograph die besuchtesten Teile der Sächsischen Schweiz vermaß und als Kartendruck veröffentlichte, sah in dem Zirkelstein „ein Symbol der Mathematiker und Geodäten”.

Der Zirkelstein

Auch Caspar David Friedrich, der seit 1799 mehrfach die Sächsische Schweiz durchwanderte und dabei wiederholt in Krippen wohnte, war beeindruckt von der Form des Zirkelsteines. Er malte ihn in einem seiner bekanntesten Gemälde, „Der Wanderer über dem Nebelmeer”. In diesem Gemälde fügte er mehrere Motive aus der Sächsischen Schweiz zu einem Sinnbild zusammen.

Alte Ansichten des Felsens, wie sie u. a. in den 1823 veröffentlichten „30 malerischen An- und Aussichten” der Sächsischen Schweiz zu finden sind, die der junge Ludwig Richter zeichnete und stach, zeigen den Fuß des Felsens noch wenig bewaldet. Während man schon damals um den unteren Bereich wie um eine Galerie gehen konnte, war der Gipfel nur mühsam durch eine enge Schlucht zu erreichen. 1842 ließ der Gutsbesitzer Füssel aus Schöna als Besitzer des Felsens für einen bequemeren Aufstieg Stufen in den Stein hauen und auf dem Gipfel ein Blockhäuschen bauen. Darin wurden in der Sommerszeit an Sonntagen Erfrischungen verkauft. Als Wirtin war damals Füssels Frau, die „Zirkelmutter”, weithin bekannt. Sie betrieb den Ausschank bis in ihr 89. Lebensjahr. Bei ihr soll einst sogar - so erzählt der Heimatdichter Wilhelm Schindler in einer launigen Geschichte - der sächsische König Friedrich August II. als einfacher Wandersmann eingekehrt sein und sich an der Zutraulichkeit der biederen Frau gefreut haben.

Nachdem im Jahre 1920 ein Blitzschlag das Blockhaus zerstört hatte, wurde es nicht wieder aufgebaut. Geblieben ist aber die prachtvolle Rundsicht, die weit ins böhmische Elbtal und elbabwärts reicht.


© Berg- & Naturverlag Rölke - zuletzt geändert 25. 07. 2017